Vorgestellt: „Gemeinsam sind wir große Klasse“ – von Franz-Joseph Huainigg & Verena Ballhaus



„Gemeinsam sind wir große Klasse“ – von Franz-Joseph Huainigg & Verena Ballhaus


Sammelband – Kurzbeschreibung zu den einzelnen Büchern:

„Meine Füße sind der Rollstuhl“
Margit ist gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sonst ist sie aber ein ganz normales Mädchen: Sie kann sich ganz alleine anziehen und darf heute zum ersten Mal alleine in den Supermarkt fahren. Doch auf dem Weg dorthin macht sie ein paar unschöne Erfahrungen: Kinder spielen auf dem Spielplatz, sehr gerne würde sie auch mitspielen. Doch dann beobachtet sie, dass ein kräftigeres Kind von den anderen Kindern beleidigt wird. Viele Leute starren sie an und grüßen sie, obwohl sie sie nicht kennen. Ein kleines Mädchen entdeckt Margit und fragt sie, was sie denn da Komisches hat (Rollstuhl), doch die Mutter zieht das Kind schimpfend weg und verbietet ihr, sowas zu fragen. Margit überquert eine Ampel, muss jedoch feststellen, dass der eine Bordstein so hoch ist, dass sie alleine nicht hinaufkommt. Der Junge, der zuvor von den anderen Kindern verspottet wurde, sieht sie und hilft ihr. Er heißt Sigi. Sie kommt an einem alten Ehepaar vorbei, das auf einer Parkbank sitzt und sie mitleidig anschaut. Im Supermarkt angekommen möchte sie gerne selbstständig einkaufen, aber die Verkäufer reichen ihr zuvorkommend alle Lebensmittel an. Das passt Margit gar nicht. Sie versteckt sich hinter einem Regal und weint. Da kommt Sigi zu ihr und tröstet sie. Gemeinsam machen sie sich auf den Heimweg und angespornt von Sigi reagiert Margit jetzt schlagfertig auf alle Personen und Situationen, die sie vor dem Einkaufen so tief getroffen haben: Sie drückt dem alten Ehepaar einen Lutscher in die Hand, damit sie mal etwas fröhlicher werden. Sie gibt einem Polizisten Bescheid, dass die Bordsteinkante für sie gefährlich ist und abgeflacht werden muss. Sie trifft das Mädchen, welches sich nach ihrem Rollstuhl erkundigt hat und erklärt ihr, dass sie behindert ist. – all das, was Margit vorher so gestört und belastet hat, macht ihr nichts mehr aus. Denn Sigi ist jetzt an ihrer Seite. 


„Wir sprechen mit den Händen“
Lisa sitzt auf einer Bank auf dem Spielplatz und schaut den anderen Kindern beim Spielen zu. Diese scheinen sie nicht zu beachten. Doch plötzlich merkt sie, dass alle Kinder sie anschauen und ihr etwas zurufen und zuwinken. Aber Lisa versteht die Kinder nicht. Da kommt ein Junge auf sie zu und fragt sie, warum sie den Ball nicht zurückgeschossen hat. Lisa erklärt mit ihren Händen, dass sie den Ball nicht gesehen hat. Doch die anderen Kinder verstehen sie nicht und verspotten Lisa daher. Doch da tritt ein Junge (Thomas) aus der Gruppe hervor und beginnt mit Lisa zu sprechen. Mit den Händen. Die anderen Kinder sind verdutzt, dass die beiden wirklich mit den Händen reden können. Thomas übersetzt was Lisa zu sagen hat. Gemeinsam erklären sie den anderen Kindern die Gebärdensprache. Thomas kann zwar hören, aber seine Eltern nicht. Er lädt die Kinder mit zu sich nach Hause ein, um ihnen zu zeigen, wie es dort aussieht. Auf dem Weg dorthin werden viele Frage geklärt, u.a.: Können Hunde Gebärdensprache verstehen? Können taube Menschen Musik hören? Bei Thomas zuhause angekommen lernen die Kinder die besondere Klingel für taube Personen kennen und erfahren, wie die Familie mit anderen Familien kommuniziert und auch Filme guckt. Lisa hat endlich Freunde gefunden, mit denen sie zusammen spielen kann.


„Wir verstehen uns blind“
Katharina ist verzweifelt. Es ist Samstag, sie war mit ihren Eltern in der Stadt einkaufen, aber jetzt hat sie diese im Getümmel verloren und kann sie nicht wiederfinden. Keiner um sie herum beachtet sie. Doch dann kommt Matthias vorbei. Er bietet Katharina an ihr zu helfen, ihre Eltern zu finden. Katharina ist verwirrt: Matthias kann doch gar nicht sehen! Wie soll er ihr denn helfen, ihre Familie zu finden? Doch gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Katharinas Eltern. Matthias erklärt ihr währenddessen, warum er nichts sehen kann und dann spielen die beiden „Ich höre etwas, was du nicht siehst“ – Matthias kann mit seinen Ohren viel besser sehen, als Katharina mit ihren Augen. Matthias erklärt, wie er Filme sieht, wie er Farben erfühlen kann,  woher er weiß, welches Geldstück er gerade in der Hand hält, wie er es schafft, bei Grün über die Ampel zu gehen, wie er die Uhrzeit an seiner Uhr ablesen kann, wie er im Internet surft und vieles mehr. Leider finden sie Katharinas Eltern noch immer nicht, daher entscheiden sie sich, zur Polizei zu gehen. Die Polizei hat bereits von Katharinas Eltern eine Vermisstenmeldung bekommen und fährt sie daher schnell nach Hause. Matthias kommt mit und gemeinsam berichten sie Katharinas Eltern von ihrem gemeinsamen Abenteuer.


„Gemeinsam sind wir Klasse“
In dieser Geschichte geht es um den gemeinsamen Alltag in einer inklusiven Schulklasse. Morgens bildet die Klasse ihren üblichen Stuhlkreis und jeder erzählt, was er am Wochenende erlebt hat. Nur der Fahrdienst von Max kommt – wie fast jeden Tag – zu spät. In der ersten Stunde wird Englisch unterrichtet. Das ist für Max zu schwer. Er bekommt die Aufgabe aus verschiedenen Steinen ein Quadrat zusammenzubauen. Max schafft es heute schneller als sonst, weshalb er danach, zusammen mit einer zweiten Lehrerin, Erklärungen zu den englischen Wörtern in Florians Heft malen darf. Doch Max hat plötzlich keine Lust mehr, springt auf und fängt an zu tanzen. Die anderen Kinder lachen und klatschen im Takt mit, doch die Lehrerin fordert Max auf sich wieder zu setzen und leise zu sein, was er dann auch tut. Dann ist Pause. Bernadette muss dringend auf die Toilette und ihre Freundin Sabrina hilft ihr, vom Rollstuhl auf die Toilette zu kommen. Nach der Pause steht Mathematik auf dem Stundenplan. Auch hier bekommt Max eine andere Aufgabe. Als er es schafft, diese zu lösen, klatschen die anderen Kinder. Nur Bernhard nicht. Er kann nämlich schon bis tausend zählen. Die Lehrerin fordert die Kinder auf, sich nicht zu vergleichen. Jeder kann andere Dinge besonders gut. In der nächsten Pause lässt sich Bernadette aus ihrem Rollstuhl auf den Boden gleiten, denn sie kann nicht so lange sitzen. Zusammen mit ihren Mitschülern veranstaltet sie ein Wettrutschen auf dem Gang. Max nutzt die Pause, um wieder zu tanzen. Dabei stößt er jedoch aus Versehen Bernhards Turm aus Bauglötzen um. Bernhard wird sehr böse und schupst Max in die Ecke. Florian geht dazwischen und startet eine Rauferei mit Bernhard. Doch da geht Max wiederum dazwischen. Er umarmt Bernhard ganz fest. Das ist seine Art, sich für das Umstoßen des Turmes zu entschuldigen. Doch dieser reagiert triumphierend: Seht ihr alle wie PlemPlem Max ist? – Fragt er in die Runde. Doch da hält Max sein Bild, welches er während der Mathestunde gemalt hat, hoch. Darauf ist jeder aus der Klasse zu sehen. Alle Kinder gehören zu dieser Klasse. Auch Max.


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Was macht dieses Buch zu einem „Buch für kleine Kämpfer“?
In diesem Sammelband werden vier Geschichten über das Leben mit Behinderungen erzählt. Es geht um Geh-, Seh-, Hör- und geistige Behinderungen. Dabei stehen vor allem auch Probleme im Alltag und Konflikte und unangenehme Begegnungen mit anderen Personen sowie deren jeweilige Bewältigung im Fokus. Damit ist dieses Buch definitiv ein Buch für kleine Kämpfer.

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Persönliche Meinung:
Dieses Buch ist definitiv ein Klassiker unter den von mir vorgestellten Büchern. Die vier Geschichten sind sehr liebevoll erzählt und zeichnen keine heile Welt, sondern thematisieren eben auch die Problematiken, welche den Alltag von Kindern mit Behinderungen mit prägen: Angefangen bei Erfahrungen der Ausgrenzung bis hin zu den vielen kleinen Hilfsmitteln, die Menschen mit Handicap helfen, den Alltag zu meistern. 

Die einzelnen Geschichten gefallen mir persönlich wirklich gut, auch wenn es vereinzelt Aspekte gibt, die etwas gekünstelt erscheinen (es klingt z.B. teilweise so, als hätte Margit noch nie das Haus verlassen). Über diese kann man aber sehr gut hinwegsehen. Die Zeichnungen sind sehr künstlerisch gestaltet und entsprechen nicht dem „Standard“, den man in den meisten Bilderbüchern antrifft. Mir persönlich gefällt dieser Stil und die Bilder veranschaulichen die Erzählungen sehr gut.

Aus meiner Sicht ist dieser Sammelband ein Klassiker, der eigentlich in jedes Bücherregal gehört. Also von mir gibt es hier eine ganz klare Empfehlung!

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Format: Hardcover mit stabileren Papierseiten
Verlag: Annette Betz
Sprache: Deutsch
ISBN: 3219116078
Altersempfehlung: ab 4 Jahre
Preis: 14,95€ (derzeit aber vergriffen; gebraucht erhältlich – die Preise schwanken jedoch deutlich. Ich selbst habe dieses Buch Ende letzten Jahres gebraucht für 12€ (inkl. Versand) erworben.)

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